"Der Dank gilt (auch) dem Verein DKF für die immer festeren Beziehungen, die unsere beiden Kulturen jeden Tag ein Stück mehr verbinden. Ich meine damit, zwischen der deutschen Kultur der authentischen kabylischen und nicht der Ersatz-Kultur, die uns das algerische Regime aufzuzwingen versucht. Lieber Boualem, im Namen der Bewegung für die Autonomie der Kabylei, im Namen der Übergangsregierung der Kabylei mit F. Mehenni an der Spitze und in meinem ganz persönlichen Namen, möchte ich dir herzlich gratulieren für den angesehenen Friedenspreis des deutschen Buchhandels, mit dem du uns auch ehrst. Lieber Boualem, wer sonst außer dir kann unsere Ängste verstehen ? Wie wir, kannst du auch den Betrug nachempfinden, der die Identität unserer Völker bedroht. Wie Albert Camus, Kateb Yacine und Mouloud Mammeri bist du für uns heute ein Leuchtturm, der uns erlaubt, gegen das Resignieren anzukämpfen. Du zeigst uns den Weg der Freiheit auf und du lädst uns ein, ihm zu folgen. Dich zu lesen, lieber Boualem, verstärkt unseren Mut im Angesichts der gefürchtetsten Tyranneien. Deine Texte durchdringen unseren Geist und unsere Herzen, um dort die Botschaft der Hoffnung und des Friedens zu verankern. Humanistische Werte, die weder Elend noch Despotismus oder die Zeit erschüttern können. Hartnäckig transzendieren deine Texte die Eitelkeit der Menschen, um jenes verächtliche Ding anzuprangern : Die grenzenlose Habgier der Mächtigen. Aus Boumerdès, wo du wohnst, umgeben vom Stacheldraht, den jeder Verrückte überwinden kann, um dich zu erreichen, leistest du Widerstand ; du lebst. Und, unaufhörlich bekämpfst du das Absurde. Gegen den Wahnsinn von machtbesessenen Menschen schwenkst du deine Feder. Eine Feder, die nicht aufhört, uns mit der Präzision deiner Reflexionen zu begeistern. Jeden Tag wird deine Botschaft, trotz Zensur, durch ihre eigene Wahrheit verbreitet und verstärkt. Dein Werk wächst und hilft uns den Kampf zu verstehen, den du gegen Fatalismus führst. Es ist wahr : Keine Tyrannei kann deine Feder aufhalten. Zu Recht sagtest du während der Verleihung des Friedenpreises, mit dem du uns geehrt hast : „Ich habe das Schreiben gewählt. Und ich habe recht es zu tun, die Diktatoren fallen wie Fliegen um.“ Was für eine schöne Art und Weise gegen die Willkür zu triumphieren ! Es ist der unwiderlegbare Sieg der Literatur über Fatalismus, Unrecht und Verachtung. Es ist letzten Endes ein Sieg über die Feigheit von Menschen. Diese Feigheit, die dazu führt, dass die Bücher von Sansal im Land verboten sind, in dem der Autor selbst frei lebt und sich bewegt. Darin besteht die beschämende List des algerischen Regimes. Er bekämpft sie aufs Äußerste, gleichzeitig täuscht er Nichtbeachtung vor. So hat dieses Regime auch gegen die beeindruckende Zivilbewegung der Kabylei im Jahre 2001 : Es leitete Scheinverhandlungen mit Vertretern ein, die es selbst ausgesucht hatte, um in der Zwischenzeit die Forderungen des Volkes zu torpedieren. Mit der gleichen Methode haben die Machthaber versucht, den Autonomieaktivisten entgegenzuwirken. In der Praxis ist das Militär, das 2001 aus der Kabylei verjagt worden war, wieder durch die Hintertür eingefallen. Es setzt unser Land in Brand, zwingt Unternehmen, die Arbeitsplätze schaffen in andere Regionen in Algerien umzuziehen und schüttern Investoren ein, um das Volk auszuhungern und es dazu zu bringen, sich dem Regime unterzuordnen. Die gleiche List wurde gegenüber den Tuareg angewandt, während seit 50 Jahren versucht wird, sie in Reservate zurückzudrängen, um sie den Touristen zur Schau zu stellen. Bei dieser Gelegenheit möchte ich auch an unsere Tuareg-Brüder des MNLA einen Gruß richten und ihnen die Solidarität des kabylischen Volkes versichern. Um Bilanz zu ziehen und über alle Übertretungen des Regimes gegenüber der Kabylei zu sprechen würde den Rahmen dieser Veranstaltung sprengen. Ich zitiere hier noch einmal B. Sansal über den Ursprung dieses Übels : “Nach der Unabhängigkeit Algeriens, am 05. Juli 1962 wurde die mit Blut wiedergewonnene Freiheit dem Volk wieder gestohlen, sowie man den Armen das Geld stiehlt“. Das Europa, das uns Schutz und Trost im Exil bietet, sollte vor der „Realpolitik“ und den Tugenden der Doppelzüngigkeit auf der Hut sein. Es ist das Fehlen von Freiheit, das aus Algerien eins der am meisten vom Phänomen der „Boat-People“ betroffenen Länder macht, das man bei uns „Harraga“ nennt. Der Autor des gleichnamigen Romans sagt uns : „Das Fehlen der Freiheit ist ein Schmerz, der auf Dauer in den Wahnsinn treibt. Es verwandelt den Menschen in seinen Schatten und seine Träume in Albträume.“ Vielen Dank für das Interesse, das Sie der Kabylei entgegenbringen und anlässlich des berberischen Neujahrs wünsche ich allen alles Gute." Lyazid Abid (GPK -Minister für internationale Beziehungen)
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