Wenn Frauen auch in den südlichen Mittelmeerländern in Bikinis baden gehen, dann machen sie das nicht, nur weil sie die Frauen in den nördlichen Nachbarländern kopieren, sondern weil sie auch das frische Wasser des Mittelmeers genießen möchten. Diese Volksaufstände haben auch gezeigt dass Diktaturen auf Dauer, trotz ihrer Unterstützung durch die westlichen Regierungen keine Sicherheit und Stabilität garantieren können. Sie werden dann von den westlichen Regierungen je nach Interessenlage unterstützt oder fallenlassen. Die Machthaber in Algerien scheinen von der Gefahr gestürzt zu werden vorerst verschont zu sein.
Der Versuch, einen Aufstand durch wöchentliche Märsche in Algier gegen das Regime zu organisieren, konnte keine große Anzahl der Algerierinnen und Algerier mobilisieren. Viele von den Organisatoren kommen aus der Kabylei und werden von algerischen Arabophonen abgelehnt. "Geht in die Kabylei zurück, wir sind hier in Algier mit unserer Regierung zufrieden", skandierten einige Bewohner von Algier. Die Kabylen, die die gesamte algerische Gesellschaft zu demokratisieren versuchen, scheinen, von der Geschichte nicht gelernt zu haben. Von der aktuellen Situation in Nordafrika können die Anhänger der masirischen Bewegung nicht profitieren. Natürlich wäre es wünschenswert, wenn alle Länder Nordafrikas Demokratie durchsetzen könnten.
Demokratie ist allerdings keine Garantie für den Schutz der sogenannten Minderheiten. Auch die externen Faktoren sind im Augenblick nicht günstig für die Entfaltung der masrischen Bewegung. Die Regierungen und Medien in Europa und in der Welt reden nur von einer "arabischen Revolution". Dabei werden die Masiren, die in allen nordafrikanischen Staaten leben, ignoriert. Deshalb sind immer mehr Kabylen nicht mehr bereit, wie sie es in der Vergangenheit getan haben, für die Demokratisierung des gesamten algerischen Staates, sich einzusetzen. Sie sind nun entschieden, - friedlich - ihre politische Rechte durchzusetzen. Denn nur wer politische Rechte hat, kann andere Rechte garantieren.
Eine provisorische kabylische Regierung (GPK ) die als Ziel hat, die Autonomie für die Kabylei zu erreichen, wurde im letzten Sommer 2010 in Paris gegründet.
Immer mehr Kabylen fordern ihre Anerkennung als Volk wie alle anderen Völker in der Welt und sind entschlossen, ihre Selbstbestimmung durchsetzen. Es ist nur eine Frage der Zeit. Die algerische Regierung ignoriert die Forderung und reagiert bis jetzt mit kleinen Reformen.
So wurden vor kurzem alle jungen Männer, die über 30 Jahre alt sind, vom Militärdienst befreit. Algerien braucht jedoch radikale Reformen, bevor es zu spät wird. "Wer zuletzt kommt, den bestraft das Leben" (Michael Gorbatschow).
Als Lösung könnte die Umwandlung des zentralistischen politischen Regimes in ein System der Regionen münden, wo die Machthaber in der Hauptstadt nicht mehr das Monopol der Macht haben dürfen (Föderalismus oder Konföderation).
Die existierenden Kulturen und Sprachen im Lande müssen offiziell anerkannt werden.
Die kabylische Sprache muss in der Kabylei als offizielle und Arbeitssprache verwendet werden. Die Haltung der Regierungen Europas und anderen westlichen Staaten gegenüber den Volksaufständen in südlichen Mittelmeerländern kann nur als Heuchelei und peinlich bezeichnet werden. Es ist bekannt, dass sie für die Garantie Ihrer egoistischen Wirtschaftsinteressen, Diktaturen in aller Welt mit Waffen und anderen Mitteln unterstützen. Ein schlechtes Gewissen, das diese Diktaturen ihre Zivilbevölkerung unterdrücken und foltern, haben sie nicht. Man kann auch nicht erwarten, dass sie diese Haltung in Zukunft aufgeben werden. Deshalb können diese Regierungen trotzt ihrer Propaganda für Demokratie, Meinungsfreiheit und Menschenrechte kein Vorbild für die unterdrückten Völker in der Welt sein. Auch Bürger der sogenannten Rechtsstaaten, die ihre Regierungen bewusst wählen und von ihrer unmenschlichen Außenpolitik profitieren, tragen eine gewisse Verantwortung bei der Unterdrückung der Völker und der Verletzung der Menschenrechte in der Welt. Zum Glück gibt es viele Menschen und Nichtregierungsorganisationen, die sich für die Einhaltung der Menschenrechte in der Welt einsetzen. Dazu gehört die GfbV, die seit Jahren für die Rechte der bedrohten Völker und Minderheiten in der Welt arbeitet. Der beste Schutz für Minderheiten in der Welt ist jedoch, dass sie aufhören als Minderheiten in anderen Staaten zu leben. Jede Minderheit könnte sich zur Mehrheit entwickeln, wenn sie es schafft, sich selbst politisch in ihren eigenen Territorien zu organisieren.
Version imprimable
envoyer par mail
Commenter cet article
TILELLI I TMURT-IW